Constanze Kreiser
KUNSTDENKEN
Künstlerbücher

Wir alle wissen, dass Kunst nicht die Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Mensch begreifen können. ”  Pablo Picasso

 

Private Reisebeschreibungen

 

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Reisen

 

Reisen mit und ohne Ziel

Vorbereitet unvorbereitet

Freiwillig unfreiwillig

 

Sonntägliche Ausflüge

Urlaubsreisen

Berufliche Wege

Tägliche Strecken

 

Ein Ziel haben

Oder

Unterwegs sein

Ziellos werden

 

Vorstellung und Wirklichkeit

In Farbe oder Schwarz-Weiß

Unschärfe unserer Vorstellungen

Kontra Angebote von präziser

Inszenierung des zu Sehenden

 

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Wege der Wahrnehmung

geführt

Selbstgewählt

Verweigert

Verpaßt

 

Reisen als Befinden

Zwischen

Faulsein und Wachheit

Wechselnd

 

Bindungen lösen

Neue Beindungen eingehen

Verbindendes finden

Sich öffnen oder verschließen.

 

Reisemuster

Reiseerwartungen

Reiseberichte

Reiseerinnerungen

Reiselektüre

 

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Öffentlichkeit und Gärten

 

Ein Garten ähnelt einem Buch.

 

Es handelt sich bei einem Buch um einen Raum, der aus einem größeren Raum ausgegrenzt ist. Ein Garten ist ein nach oben offener Raum: er hat ein Davor und Dahinter, ein Drinnen und ein Draußen.

Ein Garten hat eine Vorder- und eine Rückseite. Ein Garten kann in einer bestimmten Reihenfolge angelegt und lesbar sein. Es gibt wie beim Buch eine raum-zeitliche Abfolge der Eindrücke. Diese können miteinander verbunden einen Sinn ergeben oder unverbunden nebeneinander existieren. Eventuell fügen sie sich zu Kapiteln.

 

Ein Gartentor verursacht wie ein Buchcover Neugier.

Es verrät ein wenig von seinem Inhalt, aber nicht alles.

 

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Das Gartentor klappt — genau wie der Buchdeckel—auf und man überschreitet eine Grenze. Es ist eine Bewegung vom öffentlichen zum privaten, die der des Lesens ähnelt. Ein Lesender ist nur noch halb anwesend, in seiner Konzentration und Abwendung nicht ganz greifbar, in einer eigenen Welt. Ein Gartennutzer ist rein räumlich distanziert, abgetrennt, egal ob er dort arbeitet oder faulenzt, feiert oder schläft.

 

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Ein Garten ist nach oben und unten offen. Und damit unablässigen kleinen Veränderungen unterworfen, die das Licht, die Temperatur, die Trockenheit oder Feuchte betreffen. Die möglichen Veränderungen in der Gegenrichtung, von unten nach oben, sind ebenfalls enorm und vielgestaltig. Wachsen, Wuchern, Verfallen, Vermodern…

Ein Garten ist - wie ein Buch—ein Ort zum Träumen.

 

Träume von Schönheit. Träume von Ursache und Wirkung, Träume vom besseren und gesünderen Leben, Träume von Freiheit und Wirtschaftlichkeit, befriedigende Allmachtsfantasien von Pflanzen-erziehung und Gestaltungshoheit, aufrührerische Statements der Verwahrlosung und Zweckentfremdung.

 

Ein Garten kann ebenso sehr ein Nutzgegenstand wie auch ein Kunstwerk werden. Ein Buch desgleichen. Ein Buch ist im Regelfall abgeschlossen. Sein gedruckter Inhalt bleibt unveränderlich.

 

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Der Garten hat eine feste Größe, sein nie genau ermittelbarer ‚Inhalt‘ ist jedoch jederzeit veränderlich. Den Wörtern im Buch entsprechen die mannigfaltigen Pflanzen und Tiere, die Wärme, die Farben, die Verstecke, die Lichtungen des Gartens. Eine eigene Welt, die nicht nur aus gewünschten Bildern und Nutzern besteht, sondern durchlässig ist für tierische und menschliche Stromer, Wilderer, Eindringlinge. Schädlinge. Der Zaun ist nur ein Signal, kein Schutz.

 

Obwohl ein Garten und ein Haus natürlich nicht zusammen stehen müssen, werden sie doch als Gegensatzpaare gedacht. Wo dieses Gegensatzpaar in verdichteten Stadträumen nicht mehr möglich ist, leistet öffentliches Grün Ersatz.

 

Dem Zustand des Buches vergleichbar liefert der Garten Spuren über die Dauer seines Bestehens: Nutzer und Gestalter haben mit Wegen und Pflanzungen sichtbare Abdrücke hinterlassen. Ideen ganzer Epochen lassen sich aus seiner Anlage und Pflanzenwahl herauslesen. Die erlaubte Zuwanderung von Weitgereisten, die Präsentation von Exoten oder Einheimischen sprechen eine eigene Sprache der Kultur.

Bücher und Gärten sind Kulturprodukte.